Quittengeschichten
- obstweinberg
- 18. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Unsere Quitten sind reif! Habt Ihr schon die herrlichen, großen gelben Früchten im Spätsommerlicht auf dem Obstweinberg leuchten gesehen? Offen gestanden war der Quittenbaum für mich lange Zeit der „Wozu-ist-der-bloß-gut?“-Baum: Gut, sie blühen wunderbar und die Früchte sind auch schön anzuschauen. Aber wenn man in die pelzigen Früchte reinbeißt, ist „adstringierend“ noch eine maßlose Untertreibung: steinhart und gleichzeitig mehlig, es zieht sich alles zusammen .. einfach scheußlich .. Die Familie meines besten und ältesten Freundes D*, die mich sozusagen als fünftes Kind in ihre Familie aufgenommen hatten, hatten einen Quittenbaum im Garten, um den sie sich ganz besonders gekümmert haben. Warum bloß, habe ich mich immer gefragt? Insbesondere als die Mutter eine Sehnenscheidenentzündung vom Quittenschneiden bekommen hatte .. aber da gab es noch etwas anderes: Weihnachten durften auf keinem Weihnachtsteller die kleinen bernsteinfarbenen Würfel aus „Quittenbrot“ fehlen. Der Vater hatte sich Monate vorher drum gekümmert. Die Würfel mussten mehrere Monate a
uf Backblechen oben auf den Schränken mit einem Tuch bedeckt trocknen. Einmal in der Woche, am Sonntagabend, hat D*‘s Vater das Tuch gelupft und die Quittenmasse sorgfältig gewendet – von Ende September (damals gab es noch keinen Klimawandel, die Ernte war etwas später) bis Weihnachten, jede Woche .. Das habe ich nicht zusammengebracht: auf der einen Seite die steinharten scheußlichen Dinge, an denen sich D*s Mutter buchstäblich die Handgelenke kaputt gearbeitet hatte, und auf der anderen Seite die köstlichen, bernsteinfarbenen Würfel, die an Weihnachten auf dem Teller lagen .. Und mit dem knorrigen alten Baum im Garten habe ich die Würfel aus Quittenbrot schon gar nicht in Verbindung gebracht – bis ich – dann schon Studi – mich mit D* selbst an Quittengelee und Quittenbrot versucht habe. Wir haben uns dafür sogar extra eine sog. „flotte Lotte“ beschafft (wie, das ist eine andere Geschichte ..) Wahrlich eine Heidenarbeit war das. Und auch eine ziemliche „Sauerei“ in der Küche .. Aber als dann dieser zarte verheißungsvolle Duft durch die WG zog, waren wir auf einmal nicht mehr in unser Studierenden-WG sondern im Basar aus Tausend-und-eine-Nacht .. so hat uns dieser Duft verzaubert. Und gesund, das habe ich inzwischen gelernt, sollen Quitten auch sein, ein „Superfood“ und Heilmittel gegen Erkältungen und was auch immer sonst noch. Seitdem ist die Quitte für mich die „Du-wirst-sehen: ich-schmecke-zauberhaft-schön“-Frucht!
Justus (für T*, EG* und D*)








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